Wiener Gstettn - Wildnis in der Großstadt

Umgeben von Stadtwüste, sterilem Beton oder ödem, überpflegtem Einheitsgrün verlieren immer mehr Tiere ihre letzten Rückzugsflächen. Die Stadt wächst unaufhaltsam. Doch wo der Mensch seine ordnende Hand zurückzieht, sprießt und krabbelt es, die Natur dringt aus allen noch so winzigen Asphalt- und Betonritzen und erobert sich ihr Recht zurück.

Gstettn - das sind Extrembiotope mitten in der Stadt. Sie entstehen auf Baulücken, alten Fabriksgeländen und verwilderten Gärten - also dort, wo der Mensch einmal gewirkt hat, aber seit längerer Zeit nicht mehr eingreift. Für viele Wildtiere sind diese Flecken oft die letzten Rückzugsmöglichkeiten in der Stadt. Mehr als 2.000 Pflanzenarten sind in Wien zu finden - ebenso die Hälfte der österreichischen Brutvögel und zwei Drittel der österreichischen Säugetierarten.

Wiener Gstettn beherbergen eine Reihe von bedrohten Arten wie Gottesanbeterin, Haubentaucher oder Zauneidechse. Unzählige Säugetiere, Vögel und Amphibien finden hier Lebensraum - Füchse, Feldhasen, Waschbären, Laubfrösche oder Elstern. Weiters erobern sich Insekten wie der schillernde Rosenkäfer, der bizarre Ameisenlöwe oder das Wiener Nachtpfauenauge hier ein Zuhause. In der Welt der Pflanzen ringen Wiener Rauke und Hirtentäschel als bodenständige Arten mit Einwanderern - sogenannten Neophyten - wie Götterbaum und Goldrute um Plätze an der Sonne. Hinter einer unscheinbaren Mauer auf einer Hauptverkehrsstraße oder einer Plakatwand existieren geheimnisvolle Winkel, die zumeist unentdeckt bleiben und zerstört werden, ohne je die Beachtung des Menschen gefunden zu haben.

Das riesige Gelände am Wienerberg ist eine ganz besondere Gstettn. Einmal, weil hier die Stadt Wien jede Verbauung untersagt und somit Entwicklungen ermöglicht, die auf anderen Gstettn nur selten stattfinden. Zum anderen, weil die ehemalige Ziegelgrube hier auch Teiche umschließt, die - ebenfalls von Menschenhand geschaffen - den besonderen Fall einer "Wassergstettn" abgeben.

Regisseur: Thomas Rilk

2009
50 Min.
Deutsch
1
Regisseur: Thomas Rilk
Autor: Andreas Laschober, Thomas Rilk
Kamera: Hubert Doppler
Schnitt: Astrid Steiner
Musik: Roman Kariolou, Arnold J. Ratheiser
Sprecher: Otto Clemens
Redaktion: Universum NHU
Nominierungen: Beste Story 2010