Polarwolf

Wortwitz, Kino und ein teurer Jäger

EZ 08.09.2012 von Gernot Kühl

Gelungene Eröffnungsgala des 6. Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen / Schlagfertiger Ministerpräsident / Faszinierende Bilder      

Er ist schon ein Festivalleiter der besonderen Art. Gerald Grote, selbst Filmemacher, ist nicht nur Ideengeber und Strippenzieher hinter den Kulissen, sondern versteht sich auch famos aufs Bühnengeschäft. Seine Entrées sind filmreif, weil unkonventionell, geistreich, sehr humorvoll und auch ein bisschen frech. Genau die richtige Würze für die Eröffnungsgala am Donnerstagabend in der nahezu vollbesetzten Stadthalle.

Das erneute Kokettieren mit seiner Designerbrille aus einer nicht zum Imperium des Brillenkönigs gehörenden Filiale ist zum „running gag“ geworden. Grotes Wortspiele zwischen Blick- und Scheitelpunkten ging nahtlos über in ebenso witzige wie persönliche Episoden seiner schon früh gelebten Kino-Leidenschaft, bevor er in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Torsten Albig kurz ernsthaft wurde. „Green Screen ist ein Eckpfeiler für Schleswig-Holstein“, unterstrich er den hohen Stellenwert des Internationalen Naturfilmfestivals. „Gute Stimmung ist unser Klima“, in Eckernförde liebe man „Klartext“ und arbeite „lösungsorientiert“, ja, die Eckernförder hörten sogar „das Knacken, wenn ein Politiker sein Wort bricht“. Die Überleitung zur Antrittsrede eines Ministerpräsidenten auf dem Festival „in der Metropole des Naturfilms“ war gespickt mit Anspielungen auf den Amtsträgerwechsel: „Der dicke ..., der dicke ... Kontakt in die Staatskanzlei war leider nicht vorhanden“ – die Satzpausen hatte Grote bewusst gewählt, um einen Denkanstoß hinsichtlich der unterschiedlichen Leibesfülle von Vorgänger und Nachfolger los zu werden. Jetzt freue man sich, dass „die Verschlankung der Verwaltung Wirklichkeit geworden ist“.

Der so charmant angekündigte Torsten Albig, der übrigens in Reich- und Rufweite seines Wahlkampf-Widersachers Jost de Jager (CDU) in der ersten Reihe saß, nahm den Ball dankbar und gekonnt auf. „Ich kann es schon verstehen, dass bisher noch keiner da war. Nach Ihrer Rede kann ein solcher Auftritt zum Scheitelpunkt der Karriere werden“, retounierte er – Hochstimmung im Saal. „Jost de Jager hat mir gesagt, dass Eckernförde etwas ganz Besonderes hat – in der Tat“. Albig, Jahrgang 63, erzählte dann, dass er früher als Belohnung für gute Noten Heinz Sielmanns „Expeditionen ins Tierreich“ sehen durfte. „Starke Sendungen“ und „schön zu sehen, was hier seit 2007 entstanden ist“, sagte Albig. Green Screen sei ein „großartiges Festival, das unser Land beglückt mit den besten Naturfilmern und Naturfilmen, mit großer Kunst“, schwärmte der schwer beeindruckte MP. „Das sollte uns stolz machen – herzlichen Glückwunsch, Herr Grote und dem gesamten Team.“ Das Schöne und Besondere an Green Screen sei, dass die Zuschauer nicht nur „in den Bilder versinken“, sondern den Filmemachern auch „Löcher in den Bauch fragen“ könnten. „Kino ist Passion, sagte Albig, „Sie leben Kino – vielleicht klappt es ja bald mit einem Kinosaal“ – Beifall.

Diesen Ball nahm wiederum Bürgermeister Jörg Sibbel auf und spielte ihn mehrfach gekonnt zum Ministerpräsidenten zurück. „Wir benötigen unbedingt ein richtiges, barrierefreies Kino und bedanken uns beim Ministerpräsidenten für das Hilfeangebot. Das Festival brauche dringend weitere Unterstützer, auch deshalb sei es eine besondere Freude, Torsten Albig als Gast begrüßen zu können.

Schauspielerin Julia Stinshoff ist Green Screen treu geblieben. Sie übernimmt im zweiten Jahr eine Botschafterfunktion, um das größte deutsche Naturfilmfestival bundesweit noch bekannter zu machen. Demnächst ist sie in der Dora-Heldt-Folge „Ausgeliebt“ zu sehen.
Da der angekündigte Eröffnungsfilm „Die fantastische Reise der Vögel – Wie der Film entstand“ nicht vorlag, wurde kurzerhand umdisponiert und „Hot Tuna“ des amerikanischen „Emmy“-Preisträgers Rick Rosenthal als Deutschland-Premiere gezeigt (siehe auch Seite 14). Ein Film mit spektakulären, bisher einzigartigen Aufnahmen vom gewaltigsten aller Thunfische, dem bis zu 4,5 Meter langen, 700 Kilogramm schweren und 80 km/h schnellen Blauflossenthunfisch (Bluefin Tuna). Edel-Sushibars, in denen das teurer als Silber verkaufte rote Fleisch – für ein Exemplar wurde die Rekordsumme von 557 000 Euro gezahlt – angeboten wird, gefährden den Bestand des faszinierenden Fisches. Rosenthal, der selbst gerne Fisch isst und angelt, appellierte an alle, auf solche Art von „Genüssen“ zu verzichten.